Mit dem EU‑LAC Social Accelerator startet die Europäische Union ein neues Programm zur Stärkung sozialer Innovationsökosysteme in Lateinamerika und der Karibik. SID informiert hier über die Ausschreibung und ermutigt Nichtregierungsorganisationen, Netzwerke und soziale Initiativen, sich in starken, transregionalen Partnerschaften zu bewerben.
Worum es im EU‑LAC Social Accelerator geht
Der EU‑LAC Social Accelerator ist eine Flagship‑Initiative im Rahmen des EU‑Programms Inclusive Societies und der Global Gateway Investitionsagenda. Er soll soziale Innovation stärken, Ungleichheiten abbauen und sozialen Zusammenhalt fördern, insbesondere für junge Menschen, Frauen und andere benachteiligte Gruppen in der LAC‑Region.
Konkret geht es darum, soziale Innovationsökosysteme über Sektoren hinweg zu verbinden, Innovation Hubs zu stärken, soziale und grüne Geschäftsmodelle zu begleiten und den Zugang zu Finanzierung zu verbessern. Das Programm setzt ausdrücklich auf Kooperation zwischen öffentlichem Sektor, Privatwirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, um eine inklusive grüne und digitale Transformation voranzubringen.
Das Projekt konzentriert sich auf:
Die Stärkung von Ökosystemen für soziale Innovation durch die Förderung der Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen Sektor, der Privatwirtschaft und der Zivilgesellschaft, um Ungleichheiten abzubauen und den sozialen Zusammenhalt zu verbessern – insbesondere für Jugendliche, Frauen und benachteiligte Gruppen.
Die Unterstützung der Abstimmung dieser Bemühungen auf die „Global Gateway Investment Agenda“, um langfristigen, inklusiven Fortschritt zu gewährleisten.
Projektaktivitäten:
- 🗺️ Erfassung (Mapping) bestehender Initiativen und Chancen im Bereich sozialer Innovation in 10 Ländern.
- 🧪 Einrichtung von „Social Labs“ für Co-Creation, Pilotversuche und Wissensaustausch.
- 🚀 Inkubation und Beschleunigung (Acceleration) von Start-ups, die auf soziale und ökologische Wirkung ausgerichtet sind.
- 🎓 Durchführung von Schulungen in den Bereichen Nachhaltigkeit, digitale Kompetenzen, Geschlechtergerechtigkeit und Impact Investing.
- 🏆 Organisation von Wettbewerben und Hackathons zur Förderung von Innovationen.
- 💰 Bereitstellung wettbewerbsbasierter Fördermittel für Dritte, mit Fokus auf territoriale und sektorale Vielfalt.
- 🌐 Einführung einer digitalen Plattform für E-Learning, Wirkungsmonitoring und den Aufbau einer Community.
- 🏛️ Schaffung von Dialogräumen für den öffentlich-privaten Austausch, um lokale Strategien mit nationalen und regionalen Prioritäten abzustimmen.
Erwartete Ergebnisse:
- Gestärkte institutionelle Kapazitäten (im öffentlichen Sektor, bei zivilgesellschaftlichen Organisationen, Unternehmensförderern und in der Wissenschaft) sowie die Entwicklung von Instrumenten (wie Roadmaps und Länderstrategien) zur Etablierung von Hubs für soziale Innovation in der LAC-Region – unter Rückgriff auf erfolgreiche EU-Modelle.
- Gestärkte unternehmerische Kompetenzen (mit Fokus auf Jugendliche, Frauen und benachteiligte Gruppen) sowie die Entwicklung von Unternehmen, die Dienstleistungen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen in der LAC-Region anbieten und so nachhaltige, digitale und sozial innovative Initiativen ermöglichen.
- Erweiterte Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten sowie verbesserte Unterstützungsmechanismen, die Projekten im Bereich sozialer Innovation den Zugang zu Fördermitteln erleichtern und so Gerechtigkeit sowie nachhaltige Entwicklung im Einklang mit der „EU-LAC Global Gateway Investment Agenda“ fördern.
- Verbesserte Zusammenarbeit und Vernetzungsmöglichkeiten zwischen öffentlich-privaten Initiativen der EU und der LAC-Region sowie globalen Programmen für soziale Innovation, wodurch ein robustes Rahmenwerk für „Global Gateway“ geschaffen wird.
Wer sich bewerben kann – Fokus auf NGOs und Allianzen
Die laufende Ausschreibung richtet sich an gemeinnützige Organisationen in EU‑Mitgliedstaaten und in Ländern Lateinamerikas und der Karibik. Antragsberechtigt sind u a zivilgesellschaftliche Organisationen wie NGOs, Verbände, Kooperativen, Sozialunternehmen, Innovationszentren sowie lokale Behörden, Hochschulen und andere nicht gewinnorientierte Einrichtungen.
Besonders wichtig ist der Konsortialgedanke: Gefördert werden Partnerschaften, die Organisationen aus Europa und LAC verbinden und verschiedene Sektoren zusammenbringen. Positiv bewertet werden Konstellationen, in denen Akteure der Zivilgesellschaft gemeinsam mit Jugendgruppen, Frauenorganisationen oder Initiativen vulnerabler Gruppen Projekte entwickeln, die soziale Innovation konkret vor Ort umsetzen.
Empfehlungen: Wie sich NGOs strategisch verbinden können
Für NGOs und Netzwerke in Deutschland bietet sich das Programm vor allem dann an, wenn sie ihre Rolle als Partnerin in transregionalen Konsortien klar definieren. Sinnvoll ist es, früh Koalitionen zu schmieden, die mindestens eine starke LAC‑Organisation als Antragstellerin und komplementäre europäische Partner einbinden, die Know‑how, Zugang zu Politikdialogen oder erprobte Methoden sozialer Innovation beitragen.
Empfehlenswert sind zum Beispiel Verbünde, in denen eine NGO oder soziale Bewegung aus der LAC‑Region ihre lokale Verankerung und Zielgruppenkenntnis einbringt, während europäische Partner Expertise in Wirkungsmonitoring, sozialunternehmerischen Geschäftsmodellen, grüner und digitaler Transformation oder Advocacy beisteuern. Solche Allianzen erhöhen nicht nur die Förderchancen, sondern stärken langfristig die Handlungsfähigkeit von Zivilgesellschaft auf beiden Seiten des Atlantiks.
Ein weiterer Erfolgsfaktor liegt in der bewussten Einbindung der Zielgruppen des Programms: Konsortien sollten Jugendorganisationen, Frauenverbände und Selbstvertretungen vulnerabler Gruppen nicht nur als Begünstigte, sondern als Mitgestalterinnen der Projekte einplanen. Das kann über Co‑Design‑Workshops, gemeinsame Governance‑Strukturen oder eigene Budgetlinien für von diesen Gruppen gesteuerte Aktivitäten geschehen.
Rolle von SID: informieren, vernetzen, begleiten
Das SID Chapter in Hamburg versteht sich im Kontext des EU‑LAC Social Accelerator zunächst als Informations‑ und Vernetzungsdrehscheibe. Ziel ist es, Interessierten in Deutschland einen Überblick über Ziele, Förderlogik und Chancen des Programms zu geben und passende Akteure bei der Suche nach Partnern aus der LAC‑Region zu unterstützen.
Denkbar sind etwa kurze Online‑Briefings zur Ausschreibung, Hinweise auf Informationsveranstaltungen der Programmträger sowie das Teilen von Partnergesuchen über vorhandene Netzwerke und Plattformen wie den Hamburger Ratschlag zur Umsetzung der Agenda 2030. SID kann so dazu beitragen, dass auch kleinere und mittlere NGOs einen Zugang zu dieser neuen Fördermöglichkeit erhalten, ohne selbst unmittelbar als Antragstellerin auftreten zu müssen.
Ob und in welcher Form SID sich später an konkreten Konsortien beteiligt, soll in einem zweiten Schritt in Ruhe mit interessierten Organisationen und den beteiligten Chaptern beraten werden. Dafür ist es hilfreich, zunächst Erfahrungen aus dem Programmstart, aus Info‑Sessions und den ersten eingereichten Projekten auszuwerten und gemeinsam zu prüfen, wo die Stärken der SID‑Netzwerke einen echten Mehrwert für bestehende Allianzen bringen.
Nächste Schritte für interessierte Organisationen
Organisationen, die eine Bewerbung erwägen, sollten sich zeitnah mit den vollständigen Ausschreibungsunterlagen und Fristen vertraut machen und prüfen, wie ihre laufenden oder geplanten Aktivitäten zu den Zielen des Programms passen. Parallel dazu lohnt es sich, gezielt nach Partnern in der LAC‑Region zu suchen, etwa über bestehende Projektbeziehungen, Dachverbände oder Plattformen, die sich mit sozialer Innovation und nachhaltiger Entwicklung beschäftigen.
SID plant, Informationen zum Programm und Hinweise zu möglichen Kontaktwegen laufend zu aktualisieren und lädt NGOs und andere zivilgesellschaftliche Akteure ein, ihre Interessen oder Partnergesuche an die Geschäftsstelle zu melden. So kann schrittweise ausgelotet werden, ob und wo sich gemeinsame Konsortien anbieten und wie sich die deutsche Zivilgesellschaft insgesamt gut in den EU‑LAC Social Accelerator einbringen kann, ohne sich zu überheben. Was haltet ihr davon?
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