Die aktuelle Ausgabe „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (APuZ 50–51/2025) zur Entwicklungszusammenarbeit erscheint zu einem Zeitpunkt, der kaum dramatischer sein könnte1. Die Auflösung von USAID im Juli 2025, massive Budgetkürzungen in zahlreichen Geberländern und die wachsende Infragestellung multilateraler Kooperation markieren eine Zäsur in der globalen Entwicklungsarchitektur2 3. In dieser Situation legt die Bundeszentrale für politische Bildung eine Publikation vor, die sowohl analytische Tiefenschärfe als auch strategische Orientierung bietet – und damit für entwicklungspolitische Akteure wie die Society for International Development (SID) Deutschland hochrelevant ist.
***
1 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). Editorial: Entwicklungszusammenarbeit. APuZ 50–51/2025. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/entwicklungszusammenarbeit-2025/573509/editorial/
2 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit. https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/APuZ_2025-50-51_online_Entwicklungszusammenarbeit.pdf
3 Die Zeit. (2. Juli 2025). USAID: US-Entwicklungshilfebehörde stellt offiziell ihre Arbeit ein. https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-07/usaid-rubio-auslandshilfen-trump-entwicklungshilfe
Zeitgemäße Diagnose einer Branche unter Druck
Die Stärke der Publikation liegt zunächst in ihrer schonungslosen Bestandsaufnahme. Dominik Geppert zeichnet die Geschichte deutscher Entwicklungspolitik als Spiegel geopolitischer Umbrüche nach – von den Anfängen im Kalten Krieg über die Ölkrisen bis zur „Zeitenwende“ nach dem russischen Angriff auf die Ukraine4. Diese historische Perspektive macht deutlich, dass Entwicklungspolitik nie interessenfrei war, sondern stets im Spannungsfeld von Solidarität, globalen öffentlichen Gütern und nationalen Interessen operierte5.
Jörg Faust, Direktor des Deutschen Evaluierungsinstituts (DEval), liefert eine differenzierte Wirkungsanalyse6. Sein Beitrag widerlegt pauschale Wirkungslosigkeitsvorwürfe mit evidenzbasierten Befunden und benennt zugleich strukturelle Defizite: fragmentierte Zuständigkeiten zwischen Ministerien, zu breit gefächerte Länderportfolios und unzureichende Koordination78. Diese Diagnose trifft einen Nerv der aktuellen Debatte und bietet Anknüpfungspunkte für konstruktive Reformdiskussionen.
***
4 Dominik Geppert. Deutsche Entwicklungspolitik im Wandel. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit, Dezember 2025.
5 Ebd.
6 Jörg Faust. Strukturelle Wirksamkeit, Reformbedarf. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit, Dezember 2025.
7 Ebd.
8 Fokus Afrika. (4. Dezember 2025). Prof. Jörg Faust präsentiert Analyse im Bundestag. https://fokus-afrika.de/reform-der-entwicklungszusammenarbeit-prof-joerg-faust-praesentiert-analyse-im-bundestag/
Postkoloniale Kritik als notwendige Selbstreflexion
Besonders wertvoll ist die Einbindung postkolonialer Perspektiven durch Julia Schöneberg und Aram Ziai9. Ihre Analyse macht deutlich, dass trotz rhetorischer Verschiebungen hin zu „Partnerschaft auf Augenhöhe“ koloniale Denkmuster und Machtasymmetrien fortbestehen10. Die fortgesetzte Kategorisierung bestimmter Gesellschaften als „defizitär“ und „unterentwickelt“, die einseitige Wissenshierarchie und die fehlende Reziprozität in der Zusammenarbeit reproduzieren neokoloniale Abhängigkeiten11.
Diese Kritik ist für eine solidarische Geopolitik unverzichtbar. Sie fordert nicht die Abschaffung von Entwicklungszusammenarbeit, sondern deren radikale Transformation: weg von paternalistischer Expertise-Übertragung, hin zu globaler Umverteilung, lokaler Selbstbestimmung und demokratischem Aushandeln12. Gerade in Zeiten des globalen Rechtsrucks, so Schöneberg und Ziai, gilt es, die emanzipatorischen Elemente der EZ aktiv zu verteidigen13.
***
9 Julia Schöneberg & Aram Ziai. EZ (post)kolonial. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit, Dezember 2025.
10 Ebd.
11 Aram Ziai. Postkoloniale Perspektiven auf „Entwicklung“. Peripherie – Zeitschrift für Politik und Ökonomie. 2024. https://budrich-journals.de/index.php/peripherie/article/download/24064/21026/25216
12 Aram Ziai. Partizipation als dekoloniale Strategie in der Entwicklungszusammenarbeit. In: Nomos (Hrsg.). Partizipation und Repräsentation in der Entwicklungszusammenarbeit. 2023, S. 123–156.
13 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). EZ (post)kolonial. APuZ 50–51/2025. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/entwicklungszusammenarbeit-2025/573512/ez-post-kolonial/
Feministische Entwicklungspolitik: Strukturwandel statt Symbolpolitik
Der Beitrag von Karin Gaesing und Frank Bliss zur feministischen Entwicklungspolitik beleuchtet einen der innovativsten Ansätze der aktuellen BMZ-Strategie14. Feministische Entwicklungspolitik zielt auf gendertransformative Maßnahmen, die nicht nur Symptome bekämpfen, sondern die strukturellen Ursachen von Geschlechterungleichheit überwinden15. Die Strategie folgt dem Prinzip der „3 R“ – Rechte, Ressourcen, Repräsentanz – und strebt an, bis 2025 93 Prozent der neu zugesagten Projektmittel in gendersensible Vorhaben zu investieren16.
Die Autoren verschweigen nicht die Umsetzungsprobleme: die Ablehnung des Begriffs „feministisch“ in manchen Partnerländern, unzureichende Finanzierung und die Herausforderung, zivilgesellschaftliche Akteure als gleichberechtigte Partner zu stärken17. Dennoch zeigt der Ansatz exemplarisch, wie Entwicklungspolitik intersektionale Diskriminierung adressieren und zu echtem Strukturwandel beitragen kann18.
***
14 Karin Gaesing & Frank Bliss. Feministische Entwicklungszusammenarbeit. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit, Dezember 2025.
15 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (2023). Strategie Feministische Entwicklungspolitik. Berlin: BMZ. https://www.publikationen-bundesregierung.de/pp-de/publikationssuche/strategie-feministische-entwicklungspolitik-2223890
16 Ebd.
17 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). Feministische Entwicklungszusammenarbeit. APuZ 50–51/2025.
18 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (2023). Feministische Entwicklungspolitik für eine nachhaltige und friedliche Welt. Strategie des BMZ. https://www.bmz.de/de/themen/feministische-entwicklungspolitik
Geopolitische Neuordnung: Die USA als „verlorene Ordnungsmacht“
Die Analyse von Stephan Klingebiel und Andy Sumner zur „neuen Weltunordnung“ ist von besonderer Brisanz19. Die Demontage von USAID und die massive Kürzung amerikanischer Entwicklungsgelder haben nicht nur humanitäre Konsequenzen – seriöse Schätzungen gehen von 14 Millionen zusätzlichen Todesfällen bis 2030 aus20 –, sondern destabilisieren die gesamte globale Entwicklungsarchitektur21.
Klingebiel und Sumner diagnostizieren einen Paradigmenwechsel vom „liberal multilateralism“ zu einem „nationalist conditionality regime“22. Die USA verfolgen eine explizit antimultilateralistische Politik, die globale Normen als Bedrohung nationaler Interessen darstellt23. Andere Geberländer – Großbritannien, die Niederlande, Schweden, zunehmend auch Deutschland – folgen diesem Beispiel oder setzen eigene Kürzungen leichter durch24.
Diese Entwicklung eröffnet autoritären Regimen im Globalen Süden neue Handlungsspielräume, während westlicher Einfluss schwindet25. Gleichzeitig entstehen neue Abhängigkeiten durch Chinas wachsende Rolle in der Entwicklungsfinanzierung, wie Julia Bader und Christine Hackenesch in ihrem Beitrag zu Chinas Entwicklungszusammenarbeit darlegen26.
***
19 Stephan Klingebiel & Andy Sumner. Entwicklungspolitik in der neuen Weltunordnung: Die USA als verlorene Ordnungsmacht. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit, Dezember 2025.
20 Wellfair NGO. (18. September 2025). Welche Folgen hat das USAID-Aus? https://wellfair.ngo/entwicklungszusammenarbeit-in-der-krise-welche-folgen-hat-der-usaid-stopp/
21 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). Entwicklungspolitik in der neuen Weltunordnung. APuZ 50–51/2025. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/entwicklungszusammenarbeit-2025/573514/entwicklungspolitik-in-der-neuen-weltunordnung/
22 Ebd.
23 Internationale Politik. (26. Oktober 2025). Entwicklungspolitik nach dem Rückzug der USA. https://internationalepolitik.de/de/entwicklungspolitik-nach-dem-rueckzug-der-usa
24 Ebd.
25 Ebd.
26 Julia Bader & Christine Hackenesch. Chinas Entwicklungszusammenarbeit. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit, Dezember 2025.
Deutschland als größter Geber: Verantwortung und Chance
In dieser neuen Konstellation kommt Deutschland eine Schlüsselrolle zu. Nach dem faktischen Rückzug der USA ist die Bundesrepublik in absoluten Zahlen zum größten Geber von Entwicklungsgeldern avanciert – allerdings mit sinkender Tendenz27. Nach absoluten Zahlen lagen die deutschen ODA-Leistungen 2024 bei rund 30 Milliarden Euro, was 0,67 Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht und deutlich unter dem UN-Ziel von 0,7 Prozent liegt28.
Die Publikation macht deutlich, dass diese Position nicht nur Verantwortung bedeutet, sondern auch strategische Chancen bietet. Deutschland könnte seine Rolle als einflussreichster Geber in der EU nutzen, um eine kohärentere europäische Entwicklungspolitik voranzutreiben29. Die EU-Initiative Global Gateway, die bis 2027 Investitionen in globale Infrastruktur von 300 Milliarden Euro vorsieht, bietet hierfür einen Rahmen30.
***
27 Statista. (September 2024). Größte Geberländer Entwicklungshilfe (ODA) 2024. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12294/umfrage/ranking-der-groessten-geber-von-entwicklungshilfe/
28 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (15. April 2025). OECD-Bilanz Deutschland 2024: Unter UN-Finanzierungsziel. https://www.bmz.de/de/aktuelles/archiv-aktuelle-meldungen/oecd-bilanz-deutschland-2024-unter-un-finanzierungsziel-250336
29 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit.
30 International Partnerships. (19. November 2025). Global Gateway – International Partnerships – European Union. https://international-partnerships.ec.europa.eu/policies/global-gateway_de
Strategische Implikationen für eine solidarische Geopolitik
Für die zukünftige Strategie einer solidarischen Geopolitik ergeben sich aus der Publikation mehrere zentrale Erkenntnisse:
- Solidarische Geopolitik muss die Dialektik von Werten und Interessen aushalten. Die Publikation zeigt, dass Entwicklungspolitik historisch nie rein altruistisch war31. Eine glaubwürdige Strategie benennt transparente eigene Interessen – Klimaschutz, Migrationssteuerung, Rohstoffsicherung, demokratische Resilienz – und verhandelt diese offen mit Partnern32.
- Die Europäisierung der Entwicklungspolitik ist keine Option, sondern Notwendigkeit. Nur eine gemeinsame europäische Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik kann den globalen Herausforderungen begegnen33. Global Gateway muss dabei über geopolitische Prestigeprojekte hinausgehen und entwicklungspolitische Prinzipien – Ownership, Nachhaltigkeit, Inklusion – konsequent integrieren34.
- Machtkritische Selbstreflexion ist konstitutiv für solidarische Geopolitik. Die postkolonialen Beiträge der Publikation zeigen, dass asymmetrische Machtstrukturen nicht durch rhetorische Partnerschaftsbekenntnisse überwunden werden35. Notwendig sind strukturelle Reformen: Verschiebung von Definitionsmacht zu Partnerländern, Anerkennung lokaler Expertise, Umverteilung von Ressourcen und epistemischer Autorität36.
- Strategische Fokussierung statt thematischer Überfrachtung. Die von Faust und anderen diagnostizierte Fragmentierung der deutschen EZ – das „Schweizer-Taschenmesser-Problem“ – untergräbt Wirksamkeit und Legitimität37. Eine solidarische Geopolitik definiert drei bis fünf profilbildende Ziele und verzichtet bewusst auf andere38.
- Feministische und intersektionale Ansätze sind nicht „Add-on“, sondern Kern einer transformativen Entwicklungspolitik. Sie adressieren strukturelle Diskriminierung und schaffen resiliente, inklusive Gesellschaften39.
***
31 Dominik Geppert. Deutsche Entwicklungspolitik im Wandel. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit, Dezember 2025.
32 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (o. D.). Starke multilaterale Entwicklungspolitik für soziale und ökologische Gerechtigkeit. Positionspapier zur multilateralen Strategie. https://www.bmz.de/resource/blob/175046/bmz-positionspapier-multilaterale-strategie.pdf
33 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit.
34 Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (IDOS). (2023). Wie Global Gateway die EU-Entwicklungspolitik stärken kann. Die aktuelle Kolumne. https://www.idos-research.de/die-aktuelle-kolumne/article/wie-global-gateway-die-eu-entwicklungspolitik-staerken-kann-statt-dies/
35 Aram Ziai. Postkoloniale Perspektiven auf „Entwicklung“. Peripherie – Zeitschrift für Politik und Ökonomie. 2024.
36 Aram Ziai. Partizipation als dekoloniale Strategie in der Entwicklungszusammenarbeit. In: Nomos (Hrsg.). Partizipation und Repräsentation in der Entwicklungszusammenarbeit. 2023, S. 123–156.
37 Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (IDOS). (2025). Letzte Chance für eine grundlegende Reform der Entwicklungspolitik. Die aktuelle Kolumne. https://www.idos-research.de/fileadmin/user_upload/pdfs/publikationen/aktuelle_kolumne/2025/German_Institute_of_Development_and_Sustainability_o.pdf
38 Deutsches Evaluierungsinstitut (DEval). (Juni 2025). Deutschland steht vor neuen Herausforderungen. https://www.deval.org/de/ueber-uns/aktuelles/news/detail/multilaterale-entwicklungszusammenarbeit-deutschland-steht-vor-neuen-he/
39 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (2023). Feministische Entwicklungspolitik für eine nachhaltige und friedliche Welt. Strategie des BMZ.
Kritische Leerstellen
Bei aller Qualität weist die Publikation auch Lücken auf. Eine vertiefte Analyse der Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure fehlt weitgehend. Gerade für SID Deutschland, das als Netzwerk von Einzelpersonen und Organisationen seit 1957 sozioökonomische Gerechtigkeit und demokratische Beteiligung fördert40, wäre eine Diskussion über die Stärkung nicht-staatlicher Entwicklungsakteure wertvoll gewesen41.
Auch die Finanzierungsfrage wird nur am Rande behandelt. Die massiven Kürzungen in Deutschland – der BMZ-Etat sank 2026 um fast eine Milliarde Euro auf 10,31 Milliarden42 – und die daraus resultierenden Implementierungsprobleme hätten eine detailliertere Auseinandersetzung verdient43.
Schließlich fehlt eine kritische Diskussion über die Grenzen multilateraler Kooperation in Zeiten geopolitischer Fragmentierung. Während die Publikation zu Recht die Stärkung multilateraler Institutionen fordert44, bleibt unterbelichtet, wie diese in einer multipolaren Welt mit zunehmenden Nord-Süd- und Süd-Süd-Kooperationen funktionieren sollen45.
***
40 SID Hamburg. (o. D.). SID Chapter in Deutschland. https://sid-hamburg.de/netzwerke/sid-chapter-in-deutschland/
41 Society for International Development (SID) Deutschland. (o. D.). SID Chapter in Deutschland – Society for International Development. https://sid-deutschland.de
42 Deutsche Welle (DW). (18. September 2025). Deutschland kürzt Entwicklungshilfe drastisch. https://www.dw.com/de/deutschland-k%C3%BCrzt-entwicklungshilfe-drastisch/a-74045934
43 Data ONE. (10. September 2025). Deutsche Entwicklungszusammenarbeit: Die Kosten der Kürzungen. https://data.one.org/analysis/die-kosten-der-kuerzungen
44 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (o. D.). Starke multilaterale Entwicklungspolitik für soziale und ökologische Gerechtigkeit. Positionspapier zur multilateralen Strategie.
45 Internationale Politik. (26. Oktober 2025). Entwicklungspolitik nach dem Rückzug der USA.
Fazit: Eine Orientierung in der Krise
Die APuZ-Ausgabe „Entwicklungszusammenarbeit“ ist eine substanzielle Bestandsaufnahme in Krisenzeiten. Sie vereint historische Perspektiven, evidenzbasierte Wirkungsanalysen, postkoloniale Kritik und geopolitische Einordnung zu einem differenzierten Gesamtbild. Für entwicklungspolitische Akteure bietet sie einen unverzichtbaren Referenzrahmen zur Strategieentwicklung46.
Gerade für SID Deutschland, das Konferenzen, Seminare und Diskussionsveranstaltungen zu Fragen internationaler Entwicklung organisiert47, liefert die Publikation reichhaltiges Material für die dringend notwendige Strategiedebatte. Sie zeigt: Entwicklungszusammenarbeit steht am Scheideweg. Entweder gelingt eine grundlegende Reform – klare Ziele, europäische Koordination, machtkritische Selbstreflexion, demokratische Aushandlung mit Partnern – oder das Politikfeld verliert weiter an Legitimität und Wirksamkeit48.
Eine solidarische Geopolitik, die globale Gerechtigkeit, lokale Selbstbestimmung und demokratische Prinzipien ernst nimmt, ist kein naiver Idealismus, sondern aufgeklärtes Eigeninteresse49. In einer Welt zunehmender Interdependenz, ökologischer Krise und autoritärer Bedrohung kann nachhaltige Sicherheit und Wohlstand nur durch Kooperation entstehen – aber durch eine Kooperation, die Machtverhältnisse reflektiert, Asymmetrien abbaut und Selbstbestimmung stärkt50.
Die APuZ-Publikation weist den Weg. Ihre Umsetzung erfordert politischen Mut, gesellschaftlichen Rückhalt und die Bereitschaft zur radikalen Reform. Für SID Deutschland und andere entwicklungspolitische Akteure ist dies Auftrag und Chance zugleich: die Debatte über eine zukunftsfähige, solidarische Entwicklungspolitik offensiv zu führen und konkrete Reformvorschläge in die politische Arena zu tragen51.
***
46 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit. https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/APuZ_2025-50-51_online_Entwicklungszusammenarbeit.pdf
47 SID Hamburg. (o. D.). SID Chapter in Deutschland. https://sid-hamburg.de/netzwerke/sid-chapter-in-deutschland/
48 Deutsches Institut für Entwicklungspolitik (IDOS). (2025). Letzte Chance für eine grundlegende Reform der Entwicklungspolitik. Die aktuelle Kolumne.
49 Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). (o. D.). Starke multilaterale Entwicklungspolitik für soziale und ökologische Gerechtigkeit. Positionspapier zur multilateralen Strategie.
50 Aram Ziai. Partizipation als dekoloniale Strategie in der Entwicklungszusammenarbeit. In: Nomos (Hrsg.). Partizipation und Repräsentation in der Entwicklungszusammenarbeit. 2023, S. 123–156.
51 Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). (Dezember 2025). APuZ 50–51/2025: Entwicklungszusammenarbeit.
Text von Karsten Weitzenegger wurde mit KI unterstützt.
Entdecke mehr von SID Chapter in Deutschland
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.